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VÖK-Vortragsabend am 7. Juni 2011: Gedenken an Hermann F. Mark – Vortrag Gottfried Steiner

Kurzbericht von Denise Mandt und Philipp Taschner, 4AHWEU


Anlässlich der offiziellen Eröffnungsfeier der Hermann-Mark-Gasse nahm Hermann Mark's Sohn, Univ.-Prof. Dr. Hans Mark, Professor für Aerospace Engineering an der University of Texas, am Vortragsabend teil, um über das Leben seines Vaters und über ihre gemeinsamen Forschungsarbeiten zu sprechen.

Hermann F. Mark zählt zu den bekanntesten österreichischen Chemikern. Er wurde am 3. Mai 1885 in Wien geboren und verstarb am 6. April 1992 in Austin/Texas. Er studierte an der Universität Wien Chemie & Physik. Sein Studium wurde jedoch vom ersten Weltkrieg unterbrochen, in welchem er viele Auszeichnungen für seine Tapferkeit erhielt. Nach dem Krieg nahm er sein Studium wieder auf und promovierte 1921. Danach ging er an das Kaiser Wilhelm Institut und forschte mit Hilfe von Röntgentechnik an Fasern. Später setzte er seine Forschungen in den Forschungslabors von I.G. Farbenindustrie (später BASF) fort und beteiligte sich zusätzlich an der Grundlagenarbeit bei der Anwendung polymerer Werkstoffe. Nach dem Anschluss Österreichs flüchtete Familie Mark in die USA. 1940 trat Hermann Mark dem Polytechnic Institute of New York in Brooklyn bei. Er arbeitete neben der Tätigkeit als Professor zusätzlich als Gutachter und Berater.

Hans Mark erwarb seinen Doktortitel in Physik am M.I.T. und übernahm danach die Leitung des "Neutron Physics Group Laboratory for Nuclear Science". Danach wechselte er in das Forschungsinstitut an der Universität in Livermore, jedoch kehrte er bald ans M.I.T. als Assistenzprofessor zurück. 1960 kehrte er wieder nach Livermore zurück, dort verblieb er, bis er schließlich im Februar 1969 zum Direktor des NASA's Ames Research Center ernannt wurde. Er arbeitete ab 1977 als Undersecretary der US Air Force bis er schließlich im Juli 1979 zum Secretary of the Air Force ernannt wurde. 1981 wurde er vom Präsident Ronald Reagan zum Deputy Administrator of NASA ernannt. 1984 verließ er die NASA und ging an die Universität in Austin, Texas, an welcher er bis heute als Professor tätig ist.

Prof. Hans Mark sprach über einige Projekte, an welchen er gemeinsam mit seinem Vater gearbeitet hat. Als erstes stellte er das Projekt Habakkuk vor, an welchem er während des 2. Weltkriegs gearbeitet hat. Hierbei wurde versucht, mit Hilfe von Eis einen Flugzeugträger zu bauen, um die Herstellungskosten zu verringern. Man war mit der Entwicklung schon sehr weit fortgeschritten und verwendete schon Pykrete (Eis mit Holzspänen als Füllstoff), jedoch kamen diese Flugzeugträger nie zum Kampfeinsatz. Ein weiteres Projekt an dem er mit seinem Vater arbeitete war die Problembehebung bei Passagierflugzeugen. In den Flugzeugen des Typs Boeing 707 kam es in zwei Fällen zu Bränden in der Kabine, welche für die meisten Passagiere tödlich endeten, da die damals verwendeten Teflon-Dichtungen, wenn sie stark erhitzt wurden, HF abgaben. Weiters hat Prof. Hans Mark bei der Entwicklung eines neuen Spaceshuttles mit seinem Vater zusammengearbeitet. Ziel dieser Entwicklung war es, Stahl durch Faserverstärkte Kunststoffe zu ersetzten. Der sogenannte "Plastic Booster" wurde jedoch nie gebaut.

Prof. Hans Mark beendete seine Rede mit sehr passenden Worten: "He was an Austrian and became half American. I am an American, but also half Austrian!"


Nach dieser Rede übergab VÖK-Präsident Ing. Leopold Katzmayer das Wort an Dipl.-Ing. Gottfried Steiner, der sein Unternehmen und die EXJECTION®-Technologie vorzustellte.

Das IB-Steiner hat ungefähr 250 Mitarbeiter und ist somit eher noch ein kleines Unternehmen. Die Kunden des Ingenieurbüros kommen zu einem Drittel aus der Flugzeugindustrie, zu einem Drittel aus der Automobilindustrie und das letzte Drittel des Kundenfelds ist breit gestreut. 2009 erhielt das IB-Steiner den Staatspreis für Ingenieur Consulting. Neben EXJECTION® arbeiten sie auch an anderen Projekten wie zum Beispiel an der Kombination von Holz und Kunststoffen, wie sie beispielsweise bei Golftee's angewendet werden. Weiters bietet das IB-Steiner auch die Evaluierung von Spritzgussformen an, um den Dieseleffekt zu verhindern.

Nach diesem kurzem Überblick vertiefte sich Dipl.-Ing. Gottfried Steiner auf die EXJECTION®-Technologie, Bei welcher ein Teil der Form bei geschlossenem Werkzeug an der Spritzeinheit vorbeifährt. Somit ist es möglich, an kleinen Maschinen, z. B. einer 500 kN Maschine auch Kavitäten mit einer Länge von 2 m zu füllen. Zusätzlich hat es den Vorteil, dass alle Materialien, die auch beim normalen Spritzguss verwendet werden können, auch für die EXJECTION®-Methode verwendbar sind. Weiters ist es möglich, auch Endlosteile herzustellen. Hierbei werden z. B. die Formen wie an einer Panzerkette im Kreis geführt. Dies funktioniert, da das ausgehärtete Segment keine Form benötigt und sich selbst beim Öffnen entformt. Somit steht die Form wieder zur Füllung bereit und kann wieder "an den Anfang" der Kette geführt werden. Um diese permanente Schmelze-Zufuhr zu ermöglichen sind zwei Spritzeinheiten notwendig, welche abwechselnd dosieren und einspritzen.

Im Juli 2010 wurde bereits das erste Teil mit 1,2 km Länge hergestellt. Mittlerweile befinden sich schon Maschinen im Serienbetrieb, wobei das hergestellte Bauteil, eine Dichtungsaufnahme für Automobildichtungen, gerade das Freigabeverfahren durchläuft.

Dipl.-Ing. Gottfried Steiner sieht sehr großes Potential in dieser Technologie, vor allem im Bereich der Oberflächenstrukturierten Profile, im Umspritzen von eingelegten Endlosbändern und in der Fertigung von Kleinteilen an einer Rolle, welche eine einfache Zuführung in Montageautomaten ermöglicht. Zusätzlich sind die Erhöhung der Produktivität und die geringeren Anschaffungskosten ein großer Vorteil.

Zum Abschluss dieses sehr interessanten Vortragsabends lud Dipl.-Ing. Gottfried Steiner zu weiteren Diskussionen im kleinen Kreis und zu einem Buffet in die Clubräume der Beletage des Österreichischen Gewerbevereins ein.


Dokument:   Handout DI Steiner.pdf   





Vom 15.06.2011







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