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Eröffnung der „Hermann-Mark-Gasse“ in 1100 Wien-Favoriten am 7. Juni 2011

Etwa 50 Gäste fanden sich zur offiziellen Eröffnungsfeier auf dem Gelände der Fa. Jaguar ein. VÖK-Ehrenpräsident Senator h.c. Prof. Dr. Ernst Pöcksteiner eröffnete und begrüßte die Festgäste namentlich.

Danach folgten Ansprachen von Bezirksvorsteher-Stv. Josef Kaindl, Bezirksvorstehung Favoriten und Ing. Thomas Kohl, Klubobmann der ÖVP Bezirksräte.

Univ.-Prof. Dr. Hans Mark, der Sohn von Univ.-Prof. Dr. Hermann F. Mark, war aus diesem Anlass mit seiner Frau aus Amerika angereist. Nach seiner Dankesrede enthüllte er die Straßentafel.

Vor der Enthüllung der Straßentafel hielt Prof. Dr. Ernst Pöcksteiner eine Rede über Univ.-Prof. Dr. Hermann F. Mark, die hier im Original nachzulesen ist.



Vor 19 Jahren, am 6. April 1992, verstarb in den Vereinigten Staaten von Amerika einer der größten österreichischen Chemiker und Physiker und Wegbereiter der modernen Kunststofftechnik, Herr Univ. Prof. Dr.phil. Hermann F. Mark.

Er war einer jener Österreicher, von denen man sagt, dass sie der Welt gehören.
Ein Weltbürger, der sich aber immer offen zu seiner Heimat Österreich bekannte!

Hermann Mark wurde am 3. Mai 1895 in Wien als Sohn eines Arztes geboren, absolvierte gemeinsam mit seinem Bruder Hans das Theresianum und begann Chemie und Physik zu studieren.

Sein Studium an der Universität Wien wurde vom ersten Weltkrieg unterbrochen, er wurde zum Militärdienst eingezogen und brachte es zum Leutnant in der österreichisch-ungarischen Armee, mit 15 Tapferkeitsmedaillen, zwei Verwundungen im Verlaufe der Isonzo-Schlachten und acht Monate in italienischer Kriegsgefangenschaft. Er gehörte zu den höchst dekoriertesten Offizieren des 1. Weltkrieges.

Anschließend setzte Mark sein Studium in Chemie und Physik fort und schloss dieses 1921 an der Universität Wien „summa cum laude“ ab. Seine Berufslaufbahn begann Mark im Kaiser-Wilhelm-Institut für Faserstofftechnik in Berlin-Dahlem, wo er mittels Röntgentechnik die makromolekulare Struktur von Zellulose, Seide, Wolle und Gummi erforschte. Diese Forschungsarbeiten waren entscheidend für die spätere Entwicklung synthetischer Fasern, wie Polyester, Acryl und Nylon.

Nicht genug damit, eröffneten seine weiteren Studien bei der IG-Farbenindustrie in Ludwigshafen, heute BASF, den Weg zur Entwicklung hochmolekularer Kunststoffe, wie Polyvinylchlorid und Polystyrol, bis hin zu den Polyolefinen und synthetischen Gummi, was ihm den Titel „Vater der Polymere“ einbrachte.

1932 folgte Mark einem Ruf der Universität Wien zur Übernahme des Lehrstuhls für Organische Chemie und der Direktion des Ersten Chemischen Instituts in der Währingerstraße. Während seiner „Wiener Zeit“ wurde ihm vom Österreichischen Gewerbeverein für seine genialen wissenschaftlichen Forschungen die „Wilhelm-Exner-Medaille“ verliehen; er war mit 39 Jahren der jüngste Träger dieser Auszeichnung, eine Auszeichnung, die in Fachkreisen als „österreichischer Nobelpreis“ gilt. Diese Auszeichnung erhielt Mark vom Österreichischen Gewerbeverein lange bevor er weltweit von Ehrung zu Ehrung gereicht wurde.

1938 gelang ihm mit Hilfe von Freunden und Fachkollegen gemeinsam mit seiner Frau Maria und den beiden Söhnen Hans und Peter die Ausreise aus Österreich und die Emigration nach Amerika.

Am legendären Polytechnic Institute of Brooklyn begann sein Stern weltweit zu leuchten.
Das von ihm geleitete Polymer Research Institute wurde zur bedeutendsten Forschungsstätte für die Makromolekulare Chemie, dem Wissensgebiet, das für die Entwicklung der modernen Kunststoffe von entscheidender Bedeutung war und ist.

Viele bedeutende Polymerwissenschaftler und Kunststoff-Fachleute sind aus diesem Institut hervorgegangen und verehren noch heute Hermann Mark als ihren Mentor. Hermann Mark verdient zu Recht, einer der Begründer der Polymerwissenschaft, und damit als Wegbereiter der Kunststoffwirtschaft genannt zu werden.

Seine Ideen finden sich in nahezu allen neuen Produkten des 20. Jahrhunderts, seien es so „einfache“ Dinge wie Nylon-Strümpfe oder Textilien auf Polyesterbasis, oder High-Tech-Produkte wie Flugzeuge, Autokarosserien, medizinische Geräte, Hochgeschwindigkeitszüge, Trägerraketen , Satelliten und Spaceshuttle.

Im Zweiten Weltkrieg – als Amerika durch den Fall von Singapur an Japan den Zugang zum Natur-Kautschuk verlor - war es Hermann Mark, der der amerikanischen Gummi-Industrie den Weg zur Erzeugung von synthetischen Kautschuk wies und damit zum Sieg der Alliierten über Hitler-Deutschland beitrug.

Wir hatten das große Glück, Hermann Mark auch in Österreich zu erleben und seine Fachkompetenz bei der Gründung von Ausbildungsstätten für Kunststofftechniker, sowohl an der Höheren Technischen Lehranstalt TGM, als auch an der Montanuniversität Leoben in Anspruch zu nehmen.

Hermann Mark war aber nicht nur Wissenschaftler, er war auch Philosoph und war sich der Verantwortung der Naturwissenschaft wohl bewusst. Wenn behauptet wurde, dass Gott und die Naturwissenschaften keine Berührungspunkte haben, dass Wissenschaft eine Ketzerei sei, so widersprach er dieser Ansicht. Mark, ein religiöser Mensch und praktizierender Christ, glaubte an die Vereinbarkeit von Geist und Seele; denn durch wissenschaftliche Forschung sollte die Existenz Gottes nicht abgeschafft, sondern erweitert werden.

Zahllos sind die Ehrungen und Auszeichnungen, die Hermann Mark entgegen nehmen konnte. Er war Ehrendoktor von 15 internationalen Universitäten, darunter auch der Montanuniversität Leoben, sowie Ehrenmitglied zahlreicher Akademien der Wissenschaften.

Die amerikanische Regierung verlieh Hermann Mark die höchste wissenschaftliche Auszeichnung der USA, die National Medal of Science.
Aber auch sein Heimatland Österreich, zu dem er sich stets offen bekannte und in dem er auch gemeinsam mit seiner geliebten Frau „Mimi“ seine letzte Ruhestätte fand, hat seine Verdienste durch Verleihung des Österreichischen Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst gewürdigt.

Zur Erinnerung an den Herrn „Geheimrat“, wie er weltweit liebevoll genannt wurde, werden in Österreich alljährlich vom Österreichischen Forschungsinstitut für Chemie und Technik herausragende Persönlichkeiten der Kunststoffwirtschaft mit der „Hermann F. Mark-Medaille“ ausgezeichnet.

Die Vereinigung Österreichischer Kunststoffverarbeiter hat Hermann Mark bereits 1981 die „Große Goldene VÖK-Ehrennadel“ verliehen und ist stolz darauf, dass nun auch ihr langjähriges Bemühen um eine Straßenbenennung erfolgreich ist.
Die Vereinigung Österreichischer Kunststoffverarbeiter bedankt sich im Namen der gesamten österreichischen Kunststoffwirtschaft bei der Bezirksvorstehung Favoriten, dass sie einem Antrag der ÖVP-Favoriten nach Benennung einer Straße nach Hermann Mark stattgegeben hat.

Mit der Eröffnung der „Hermann-Mark-Gasse“ wird dem großen Sohn Wiens nun auch von seiner Heimatstadt ein bleibendes Denkmal gesetzt.




Vom 15.06.2011







VÖK-Vizepräsident KommR Mag. Rainer Sedelmayer (li.) und VÖK-Präsident Ing. Leopold Katzmayer (re.)

VÖK-Ehrenpräsident Senator h.c. Prof. Dr. Ernst Pöcksteiner

v.l.n.re.: Univ.-Prof. Dr. Hans Mark, Prof. Dr. Ernst Pöcksteiner mit Glenn Guimond, Kulturattache der US Botschaft

Unter den Ehrengästen ist auch die ÖGV-Präsidentin KommR Margarete Kriz-Zwittkovits (3.v.r.)

Bezirksvorsteher-Stv. Josef Kaindl

KommR Mag. Rainer Sedelmayer übergibt das Wort an ...

... Ing. Thomas Kohl, Klubobmann der ÖVP Bezirksräte

Univ.-Prof. Dr. Hans Mark dankt ...

... und enthüllt die Straßentafel

Gruppenfotos mit Univ.-Prof. Dr. Hans Mark und Wiener Familienmitgliedern (Mitte), Ing. Leopold Katzmayer (1.v.li.), KommR Mag. Rainer Sedelmayer (2.v.li.), Prof. Dr. Ernst Pöcksteiner (3.v.li.), BV-Stv. Josef Kaindl (1.v.re.), Ing. Thomas Kohl (2.v.re.)

Musikalisch begleitet wurde die Feier vom Brass Ensemble Oberlaa

 


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